Der Kurt Weck Gedächnis Preis 2006
oder
Eisen Annas erster Job

Bekanntermaßen ist der Kurt Weck Preis wichtig für den TSC. Schließlich kommen jedes Jahr reichlich Schiffe und da sowohl die IF-Boot- als auch die Varianta-Szene im TSC fest verankert ist, hängen viele Emotionen und nette Erinnerungen an dieser Wettfahrt. Besonders wichtig war sie aber in diesem Jahr für eine, für Anna nämlich, Eisen Anna.

Das kleine Boot war ursprünglich von Bernd Unfug als Startschiff gekauft und in mehreren Jahren mit unterschiedlichem Elan umgebaut. Derzeit ruhen die Arbeiten des Innenausbaus, da unklar ist, ob sich Eisen Anna überghaupt als Startschiff eignet. Betrachtet man das Boot im Stand, macht es einen soliden Eindruck: Aus namensgebendem Metall gefertigt, liegt es ruhig da. Die Kuchenbude bietet Schutz vor Regen und der 25 PS Motor im Heck erlaubt eine zügige Bewegung. Die großen Fenster versprechen gute Rundumsicht auf das Regattafeld und der hohe Aufbau ermöglicht Stehhöhe in der Plicht. Aber genau dieses war und ist ein Problem. Durch den hohen Schwerpunkt neigt das Boot zum Kippen. Daher wurden ursprünglich Betonplatten in die Bilge gelegt und der Schwerpunkt somit einigermaßen nach unten verlagert. Während des Umbaus sind die Betonplatten aus dem Inneren entfernt worden und eine Metallbombe wurde unter den Kiel geschweißt. Diese sollte den gleichen Zweck erfüllen. Doch mit der ersten Wasserung Anfang der Saison kamen Zweifel auf. Ein Kippeltest wurde gemacht, dessen Ergebnis zeigte, dass das Boot zwar kippelig war, jedoch nicht unbedingt kentern würde. Ein Feldversuch sollte die Tauglich zeigen, eine Nutzung hat; live, in Farbe und 3D; eben der Einsatz beim Kurt Weck Preis.

In der Vorbereitung wurde das Flaggenbrett provisorisch auf dem Deck befestigt, auch Hupe, Bahnanzeiger und TSC-Stander fanden ihren Platz. Batterien für Hupe und Motor wurden angeschlossen, der Tank gefüllt und dann kam am Donnerstag abend vor der Regatta der erste große Moment, als der Motor gefragt wurde, ober denn gerne mal anspringen würde und dieser das ohne viel Murren mit einem satten Schnurren beantwortete. Samstag morgen fanden sich dann nicht nur 13 Varianta- und ebenfalls 13 IF-Boot Crews im Hafen ein, um Ihre Boote klar zu machen, sondern auch die Wettfahrtleitung bezog ihr neues Arbeitsgerät. Die Nummernschilder und der Namen wurden provisorisch auf Papptafeln geschrieben angebracht, schnell wurden zwei Falschen Prosecco geholt, denn ungetauft ging dieses Boot
bestimmt nicht raus. Heike lukte skeptisch aufs Deck, als sie sich über den Bugkorb schwang, und als Jessi sich zu ihr gesellte, hatte Eisen Anna schon massiv Schlagseite. Schnell stieg Jule auf, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Der Motor lief, die Leinen los und mit lautem Signal verließ das Startschiff den Club.

Der Wind kam aus SO, also legte sich Jessi vor die Försterbucht und schickte Paul und Jens im ersten Tonnenleger vor den Odin, um die Luv-Tonne zu legen. Die Halsen-Tonne verstauten Kai und Flo vor Hasselwerder, die Lee-Tonne bliebt vor dem Startschiff. Schnell war der Kurs gelegt und pünktlich konnte das Ankündigungssignal für die IF-Boote gegeben werden. Alle reihten sich an der von Bobby und Christian ausgelegten Startlinie auf, noch 3, 2, 1, los!! Der Start geglückt, nur ein Frühstarter! Anschließend gingen die Variantas auf die Reise, alles glatt. Die Boote glitten durchs Wasser, der Wind war konstant, die Sonne kam heraus, was wollte man mehr. Auf Eisen Anna breitete sich erstmal Ruhe aus. Zeit für die erste Manöverkritik: Zwar hatte alles geklappt, doch das Ankern gestaltete sich aufwändig, da aufgrund des geringen Gewichts und des hohen Aufbaus ein Heckanker benötigt wurde, um das Schweuen zu kontrollieren. Heike muss sich für die Zeitansage auf dem Vordeck befinden, säße sie in der Plicht, so würde sie keiner hören. Das würde bei Regen recht wichtig werden. Die Peilung mit mehr als einer Person am Peilmast war nicht möglich, weil sich Eisen Anna sonst so sehr kränkt, dass man nichts mehr sieht. Für ein kleines Feld war das akzeptabel, doch bei mehr als 20 Booten würde es schwierig werden, die Linie im Blick zu behalten.

Die Wettfahrt lief. An der Spitze des Feldes lieferten sich Dietmar Falkenberg, Carsten Edinger und Herbert Kretschmann einen harten Fight. Jessi ließ die Boote den gesamten Kurs segeln. Vor der zweiten Wettfahrt hatte der Wind auf S bis SW gedreht und kam nun von der Liebesinsel. Jessi entschied den Kurs zu verlegen, verholte Eisen Anna vor Hasselwerder und ließ die Boote rechts herum auf Saatwinkel und die Försterbucht zufahren. Der Wind blieb konstant und so konnten noch zwei weitere, abgekürzte Wettfahrten gezeitet werden. Nach diesem ersten Tag lagen Dietmar und Herbert gleichauf, aber auch Carsten hatte noch Chancen. Bei den Variantas hatte Peter Raabe das Feld unter Kontrolle, Ernst Mehland und Thomas Kaiser waren in Schlagdistanz.

Nach gutem Segeln soll man gut Feiern, so hieß die Divise des Abends. Da war das TSC-Schuppenfest, wie schon so oft, ein Garant für gute Stimmung und nette Geselligkeit. Für die Tanzbeine gab es Live-Rock-Musik vom Feinsten, am Grill sorgten sich Klaus, Christian und Bodo um die garenden Würstchen und Nackensteaks, während Gerlinde ihr Büffet verteilte und Fam. Girle mit verstärkter Mannschaft den Durst der vielen Segler löschte. Durch die Kombination mit dem Kurt Weck Preis wurde das Fest ein noch größerer Erfolg, als es eh schon immer war und so wird diese Zusammenstellung auch fürs nächste Jahr geplant.

Der Sonntag kam mit Wind. Wieder aus SW aber wesentlich stärker als am Tag zuvor. Schnell waren die Tonnen gelegt, doch Eisen Anna hatte Probleme auf Position zu bleiben. Die beiden Anker der Wettfahrt reichten einfach nich aus, um dem Winddruck auf den Kajütaufbau zu trotzen. Erst als der Huddelanker zur Hilfe genommen wurde, lag das Boot fest. Die Regattateilnehmer fanden sich ein. Nur sehr wenige hatten die Feier der Nacht zuvor nicht überstanden und so war das Feld nahezu vollständig. Die IFs gingen zuerst auf den Kurs, die Kreuz zwang die Schiffe auf Lage, die Fockfahrer hatten jede Menge zu tun. Dann folgten die Variantas, die ebenfalls sehr sauber und durchaus gesittet starteten. Die Böen wurden härter, mitunter 6 Bft wurden gemessen. An der Halsen-Tonne zogen die IFs den Spi, mit Macht ging es raumschots auf Tonne 3. Auf der folgenden Diagonale nahm der Wind erneut zu. So manche Varianta geigte unter Spi den Kurs hinunter war kurz davor die Sonne zu schießen. Hohe Seemannschaft war gefragt. Als die Böen weiter zunahmen, entschied sich Jessi für eine Abkürzung und schickte die Manschaften von der zweiten Diagonalen aus ins Ziel.

Durch einen Husarenritt vor der Försterbucht konnten bei den IFs Dietmar Falkenberg mit Holger und Hanne den Sieg erringen und gewannen somit auch den Gesamtsieg, zweiter wurde Herbert Kretschmann mit Olaf Krüger und Thomas Purschke, dritte Carsten Edinger, Gunnar Perlitz und Mario Rothermund. In der gemeinsamen Wertung von Willy Thomas und Kurt Weck war die Reihenfolge umgekehrt: Herbert Kretschmann gewann vor Dietmar Falkenberg und Michael Kerstan. Bei den Variantas konnten Ernst und Robert Mehland durch einen zweiten Platz den 9. aus dem ersten Rennen streichen und gewannen so vor Thomas Kaiser und Felix Herziger und Peter Raabe und Lutz Krause.

Und hat Eisen Anna nun bestanden? Die Antwort der Wettfahrtleitung ist eher gemäß Radio Eriwan: "Im Prinzip Ja, aber...", denn starten kann man zwar auf diesem Schiff schon. Doch für die Durchführung von größeren Events (z.B. Preis der Malche) ist sie wohl nicht geeignet, da man schon zu dritt zu viel an Bord ist und das Erkennen von Frühstartern mit so wenigen Helfern schwer wird. Für die Berliner Jüngstenmeisterschaft der Opti A jedenfalls versucht Jessi den Prahm des JSC zu bekommen...

Wir gedenken dem Varianta Segler Hans Stutzke vom PSB, der beim Auslaufen zum in der vorhergehenden Woche stattfindenden Willy Thomas Preises einem Anfall erlegen war und somit nicht am Kurt Weck Gedächnis Preis teilnehmen
konnte.

Kai Jürgens

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