"Guten Morgen und herzlich Willkommen im TSC zum Jüngstenfestival 2007!" schallt es aus der neuen Medienanlage über die Terrasse. Fast etwas erschrocken zuckt Jessi zusammen, lächelt, nimmt das Mikro runter und schaut über den Platz, auf dem sich bei grauem Himmel 40 Opti und 16 Teeny Segel im leichten Wind bewegen. Drei Wochen Vorbereitung entladen sich in der dritten großen Segelveranstaltung dieser Saison. Schon lange sind die T-Shirts für die Teilnehmer und die handgravierten Gläser für die späteren Sieger bestellt und geliefert, Kai hatte in den letzten Wochen nahezu täglich die Teilnehmerlisten im Internet aktuell gehalten und nachdem der Stab der helfenden Unterstützer komplett ist, kann es ja losgehen.

Sie hebt das Mikro und beginnt: "Mein Name ist Jessica Berger und ich bin Euere Wettfahrtleiterin. Ich bitte Euch um einen Moment Aufmerksamkeit, denn hier folgt die Steuermannsbesprechung..." Zufrieden dreht sich Kai um und das Mikrosignal etwas lauter, damit auch der letzte, unkonzentrierte Optimist mitbekommt, wo er lang segeln soll. Dabei weiß er doch ganz genau, dass leicht desorientierte Kinder mit großen Augen und der durchaus unvermuteten Frage, wo es doch bitte zu Tonne 1 ginge, zu diesem Festival gehören, wie Omi und Opi mit stolz geschwellter Brust und dem Kampfdackel an der Leine.

Kaum, dass Jessi den Seglern Glück gewünscht hat, beginnt die Ablegeschlacht. An der Rampe wuselt es nur so. Beinahe scheint es, dass derjenige gewinnt, der als erster im Wasser ist und nicht der, der Peters Trötensound genießen darf. Alles ist bereit, als Jessi um 10 Uhr die Leinen der Macho löst und mit drei Hupsignalen ausläuft. An Bord steht ein eingespieltes Team bereit. Hanne und Gisi, die Jessi den Kahn punktgenau auf dem See einparken, Heike, die unbestechliche Uhr und Tanja, die schneller schreibt als sich das Opti-Kid an seine Nummer erinnert. Begleitet wird die "Macho" von der "Huddel" mit Christian und Bobby, sowie vom Avon-Gummiboot, wo die Meister der Tonne 1 Paul und Flo Platz genommen haben. Schließlich legt auch Kai ab und fährt unter Hinterlassung einer üblen Duftspur, die zwar nichts mit schlechter Verdauung, sondern eher mit der Erfindung von 2-Takt Motoren zu tun hat, auf den See. Bei ihm an Bord sitzt ein Neuling: Uwe Trebs, Vater der derzeit besten TSC-Teeny-Mannschaft, hat sich mit dem Versprechen beim Tonnenlegen zu helfen, den bis dahin verwaisten Platz erkauft und der Deal sollte sich für alle Beteiligten als goldrichtig erweisen.

Auf dem See angekommen platziert sich Jessi bei leichtem Nordwind vor das Südufer, Tonne 1 geht vor Hasselwerder runter und das Dreieck wird vorm Wasserwerk an der Wasserskistrecke geschlossen. Die Protagonisten kommen herbei und versuchen schon mal zu sehen, welche Ecke den besten Wind verspricht. Pünktlich um 11 beginnt Jessi mit dem Start der Teenys und Uwe kann hautnah miterleben, wie seine beiden Jungs auf die erste Kreuz gehen. Aufgeregt verfolgt er die ersten Wenden. So gerne, wie man es auch täte, Tipps zu geben ist natürlich nicht erlaubt. Die sportliche Fairness und auch Kais unmissverständlicher Blick verhindert das und lässt ihn sich fast die Zunge abbeißen. 5 Minuten später folgen die Optis, der Start verläuft glatt, was eine echte Ausnahme bleiben soll. Volle Bahn mit Dreieck, Diagonale, Dreieck und Zielkreuz lässt Jessi segeln. Der Wind ist leicht, doch es geht gut voran und gegen 13 Uhr bekommt das Zielschiff mit dem Ziel-Tröten-Virtuosen Peter "Quääck" Berger sowie Moni und Marina an Bleistift und Diktaphon eine Menge zu tun. 5-stellige Opti-Nummern in schneller Folge wollen korrekt notiert sein.

Diszipliniert dümpeln die Boote den Kurs wieder hinab. Jessi lässt den Kurs leicht nach links verlegen und kann dann gleich die zweite Startsequenz einleiten. Diesmal zeigen sich die Optis etwas aggressiver und benötigten einen Gesamtrückruf, bis sie wieder auf der Bahn sind. Daher erlässt ihnen Jessi das letzte Dreieck durch eine Bahnverkürzung. Mit einem Mal startet Bobby den Motor der Huddel und läuft ab in Richtung TSC. Was geschieht denn da, hat er solche Sehnsucht nach Bodo und Klaus, oder drückt ihm die Blase? Der Wind legt etwas zu, so dass die Teenys ihre Spigänge im Trapez ausreiten. Die Zielkreuz liegt an und durch die Bahnverkürzung kommen die beiden Bootsklassen fast zeitgleich ins Ziel. Peter hat viel zu tröten und die Mädels schreiben sich die Bleistifte leer.  Und da ist ja auch Bobby wieder und er hat einen Gast dabei: Elke Sobecki und einen großen Topf mit heißen Würstchen. Jetzt ist erstmal Mittagspause. Für jeden Segler gibt es ein gepflegtes Hot-Dog mit Senf und/oder Ketchup, sowie ein kleines Getränk und einen süßen Nachtisch. Da fangen die Jung-Pros sofort das Grinsen an. "Coole Idee, mein Magen hängt schon sonst wo. Schmeckt echt prima!" ruft einer mit sichtbar vollem Mund rüber.

Die Pause ist aber nur kurz. Der Wind weht weiter konstant und Jessi will noch eine dritte Wettfahrt. Also schicken die Tonnenleger die Horde wieder Richtung Start. Beide Kurse werden verkürzt gestartet, um die Segler nicht zu spät in den Hafen zu bekommen. Die Teenys starten glatt, doch die Optis brauchen mal wieder eine Extrarunde. Kai und Uwe legen sich an die 1 und so kann Uwe seine Jungs wieder ganz vorne sehen, was einen engagierten Vater bei Leibe nicht kalt lässt und die Gefahr für einen gepflegten Zungenabbiss steigert. Am Ende des ersten Tages führen bei den Teenys Enno / Theo Trebs vor Judith Torka / Lilli Trebs und Jana Kruhl / Otto Eyferth. Bei den Optis dominiert Luca Hagen das Feld vor Tobias Graf und Enrico Schütz.

Sonntagmorgen zeigt sich der Himmel grau in grau. Nur wenig Wind kräuselt das Wasser. Zum Segeln reicht es aber und so legt Jessi kurz vor 10 Uhr ab. Der Wind kommt immer noch aus nördlicher Richtung und so wissen die Tonnenleger sehr genau, wo sie die Tonnen ablegen müssen. Pünktlich um 11 Uhr geht Lima nieder und läutet somit den ersten Start des Tages für die Teenys ein. 5 Minuten später machen sie sich auf die Kreuz. Fast schon wie bei einem Ritual meinen die Optis erst nach einem Gesamtrückruf hinterherfahren zu dürfen. Aber gut, so sind sie halt, die Heißsporne. Der Wind bleibt in der Richtung konstant, legte aber nicht gerade zu, so dass der Kurs erst um 13 Uhr abgesegelt ist. Erneut beordert Jessi das Feld zum Start und schickt die Teenys kurz darauf zum fünften Mal auf die Startkreuz. Die Optis zieren sich. Der erste Start misslingt, als das halbe Feld sich gut 30 Sekunden vor dem Start auf der falschen Seite der Linie wieder findet. Und auch der zweite Startversuch erbringt nichts als eine Demonstration von mangelnder Starthygiene. Fast scheint es, als wollen die Jungsegler die letzte Wettfahrt boykottieren. Erst beim dritten Mal kann die Reise beginnen, die wenigen Frühstarter sind von Huddel und Startschiff leicht ausgemacht. Durch die lange Verzögerung ist aber der Wind nicht besser geworden. Er bläst dünn über den See und als die Optis das erste Dreieck runterkommen, ertönte der Schlachtruf "Abbruch!". Man mag ja verstehen, dass ein Rumgedümpel keinen wahren Spaß macht, aber bei viel Wind kann selbst Kai gut segeln und ein richtig guter Segler kommt auch mit scheinbar widrigen Bedingungen zurecht. Ein Umstand übrigens, der sich mit der Tatsache deckt, dass komischerweise auch bei solchen Wettfahrten immer die Gleichen vorne sind und die Lautstärke des Gebrülls direkt proportional zur Platzierung im Gesamtklassement ist. Jessi jedenfalls zieht inzwischen ebenfalls einen Abbruch in Betracht, verwirft die Idee dann aber, als sie sieht, dass es zwar wenig Wind ist, dieser sich aber gleichmäßig auf dem See verteilt, so dass keine massive Benachteiligung einzelner Boote auftritt. Gutes Auge, Madam! Das sehen auch die Brüllaffen ein und schnell beruhigen sich die Gemüter dann wieder, als das reichhaltigen Kuchen- und Brötchenbuffet eröffnet wird und die Wartezeit auf das Ende der Protestverhandlung und den Beginn der Preisverteilung verkürzt. Einen ganz, ganz großen Dank an die Bäcker, edlen Spender und den JSC!! Um 17:30 schließlich greift Jessi erneut zum Mikro und kann die stolzen Sieger küren. Bei den Optis siegen Luca Hagen (SCG) vor Enrico Schütz (JSC) und Max Popken (TSC). In der Teenykonkurrenz konnten Julian und Felix Bergemann (YCM) durch zwei Siege am Schlusstag zwar noch auf den zweiten Platz vorpreschen, doch bleiben sie einen Punkt hinter den Siegern Enno und Theo Trebs (TSC). Dritte werden Judith Torka (YCM) und Lilli Trebs (TSC). Eine insgesamt runde Veranstaltung wird mit einem dreifachen "Gut Wind ! Ahoi!" geschlossen und die Segler verlassen den TSC mit dem festen Vorsatz, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein und dann vielleicht etwas mehr Wind mitzubringen.

Kai Jürgens

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