Fröhliche Ostern!

Das Regattajahr beginnt mit einem Anruf: "Micha, wie Du weißt, bin ich schwanger. Kannst Du die Wettfahrtleitung für das Jüngstenfestival übernehmen?" fragt die Chefin des Wett-fahrtteams Jessica Jürgens (neé Berger) den ehemaligen Jugendtrainer Michael Koster. Der überlegt nicht lange und sagt zu. Aufgrund der Planung, mit den 29ern eine neue Klasse zu etablieren, fängt er zügig mit den Vorplanungen an. So weit, so gut.

Parallel planen auch Kai und Jessi vor: Babywäsche, Bettchen und Wickeltisch, neue Farb-gestaltung des Kinderzimmers und natürlich der obligate Geburtsvorbereitungskurs. Alles läuft in ruhigem Fahrwasser. Doch plötzlich erneut ein Anruf, dieses Mal bei Kai im Büro: "Du musst mir jetzt mal zuhören: Die Ärztin hat gesagt, ich muss mich schonen. Aufs Wasser geht's nicht mehr." Ja, so ist es, die Lütte geht vor.

Aber was passiert Ostern, wie geht's dem 36. Preis der Malche? Die ersten Meldungen sind eingetrudelt, die Vorbereitungen fast abgeschlossen. Ein Plan B muss her; und erneut das Telefon: "Micha, wie Du weißt, bin ich schwanger..." Und welch ein Glück, er hat Zeit und macht's auch noch!

Umgehend steigt er mit Jessi, Paul und Kai in die Detailplanung ein. Eigentlich steht ja alles, Preise und Erinnerungsgaben sind bestellt, das Team ist formiert, Start- und Zielschiff sowie die Tonnenchecker organisiert. Nun sollte nur noch das Wetter mitspielen und dann wird es eine gute Veranstaltung. Noch gut zwei Wochen, wir freuen uns drauf.

Pünktlich zum Meldeschluss kommen dann auch noch die zahlreichen Meldungen mit 24 Piraten und 13 420ern können wir zwar nicht an frühere, glorreiche Jahre anknüpfen, sind jedoch besser als das vergangene Jahr und das zählt. Am Mittwoch vor Ostern ist das letzte große Vorbereitungstreffen im TSC. Das Wettfahrtteam hat sich versammelt. Man stimmt sich auf die Veranstaltung ein und die letzten Feinheiten ab. Und dann gibt es noch eine be-sondere Überraschung: Aus einem großen Alu-Koffer holt Kai 6 nagelneue High-End Funk-geräte, die ein besonders lobend hervorzuhebener Kamerad gespendet hat. Sie haben die neuesten technischen Möglichkeiten und eine extrem gute Reichweite. Ganz besonders an-genehm ist jedoch, dass man Fremdgeräte ausblenden kann, so dass man in der Startse-quenz nicht die Horde kleiner Kinder hört, die gerade Ostereier im Wald suchen. Dieses Ei-ersuchen per Walkie-Talkie war ein beliebter Passantenspaß, mit dem man wohl jede Wett-fahrtleitung zur Weißglut mit Hart-Koch-Garantie kriegen konnte. Doch das war ja nun vorbei dank DQT-Technik! (... und nur Kai weiß, was das heißt und wie es funktioniert, aber ist auch egal, hauptsache, man muss nicht mehr zwischen Ida und Klassenflagge mit anhören, dass die Kartoffeln fertig sind, Kuuurt!)

Und dann ist Karfreitag, Frühstück bei Jürgens, eigentlich wie immer. Nur Jessi schaut etwas entspannter als in den vergangenen Jahren. Und dazu hat sie auch allen Grund, zum einen wird Micha heute im Mittelpunkt stehen und zum anderen blickt sie auf einen sonnendurch-fluteten Garten, in dem sich leicht die Blätter im Wind bewegen. Sonne und Wind zu Ostern, das war lange nicht mehr, schöne globale Erwärmung... Im TSC gehen die Vorbereitungen in die heiße Phase. Der Platz vor dem Schuppen verwandelt sich in ein Segelmeer. Am Flag-genmast wehen Clubstander und Nationale und hinzukommend auch die tschechische Flag-ge, da sogar ein Team aus der Tschechei gemeldet hat. Der Preis der Malche ist nach der Meldung des Schweizer Teams im letzten Jahr auch 2009 wieder international! Im Regatta-büro herrscht wuseliges Treiben, doch Heike, noch leicht übernächtigt vom Spätdienst, Tanja und Gerlinde behalten den Überblick. Nicki hängt noch schnell den aktuellen Wetterbericht raus, aber eigentlich ist es nicht notwendig, denn ein gegen die Sonne geblinzelter Blick über den See sagt alles: Ost 3-4 Bft, genial. Die Off-Shore-Crew macht sich bereit, Tonnen und Gewichte sind auf die Huddel mit dem Lee-Peilungsteam Christian und Bobby verladen. Auf dem Bombard stopfen Paul und Flo die letzten Löcher mit Handtüchern und neben Schwä-gerin Soni hat es sich Kai auf dem NRV Motorboot gemütlich gemacht. Soni war mit zwei 420er Teams aus Hamburg angereist und bot so dem Team neben der Betreuung ihrer Schützlinge die Möglichkeit, den Tonnenleger zu unterstützen.

10:45 Uhr ließ Micha die Leinen lösen und fuhr auf den See. Beim Funk-Check meldete sich auch Jessi von Bord der Macho, auf der sie sich, sozusagen als Edel-Tourist, eingebucht hatte und wünschte Micha und seinem Team Erfolg und gutes Gelingen. Ost-Wind ist eher selten auf dem See, doch schnell warf Bommel an Bord des Brommels kurz neben der Strandbadtonne Anker. Da hatten die Jungs auf dem Bombard schon Position vorm Was-serwerk bezogen und legten die Luv-Tonne. Bald war das Dreieck mit der Halsentonne vor Hasselwerder und der Lee-Tonne vor dem Startschiff komplettiert. Pünktlich um 12 Uhr er-tönte das Startsignal für die Piraten. Sie begaben sich auf einen perfekten Kurs mit interes-santen Kreuzkursen und sportlichen Spi-Fahrten. 5 min später sollten auch die 420er starten, doch sorgte ein Winddreher ganz kurz vor dem Start doch noch für einen Abbruch, so dass die Trapezkünstler der Kreuz erst gut 10 min später mit leicht korrigierter Startlinie in das Geschehen eingriffen. Der Wind war nicht ohne und forderte von den Seglern einiges. Das musste auch Tim Freiheit (TSC) erfahren, der führend auf der zweiten Kreuz in eine Böe geriet und mit seinem Schotten ein feuchtes Bad nahm. Auch auf den Spikursen vor Wind waren einige Kenterungen zu verzeichnen, doch blieben diese außer ein paar nassen Haa-ren folgenlos und die Segler konnten die Jollen schnell wieder aufrichten und auf den Kurs zurückbringen. Nach fünf Runden kamen die Akteure im herrlichen Sonnenschein ins Ziel und wurden dort von der Huddel mit flügelverleihenden Getränken oder Cola versorgt.

Micha wartete derweil nicht lang. Der Wind war leicht nach rechts gedreht, also ließ er den Kurs umlegen. Die zwei ging vor die Liebesinsel und der Kurs somit rechts rum. Kurze Zeit später erklang das Horn zum zweiten Start. Da der Wind in den Böen nicht nachgelassen hatte, gingen die Runden auch dieses Mal schnell von statten und die Segler hatten alle Hände voll zu tun, sich für die richtige Seite der Kreuz zu entscheiden. Bei den 420er hatte sich mit den beiden NRV Teams Reimann/Zach und Becker/Heitzig sowie Preuß/Kunow und Freiheit/Enders eine Viergruppe an der Spitze gebildet. Bei den Piraten dominierten Hegi und Olli vor Butze und Max.

Der Tag klang gemütlich im Sonnenschein auf der Terrasse des TSC aus, während die Seg-ler entspannt, bis auf die Beteiligten, darauf warteten, dass die 4 Proteste endlich verhandelt waren. Danach wurden die Tagessieger gekürt und mit dem gelben Trikot bekleidet in den Leistungsschlaf geschickt. Währenddessen begab sich eine Abordnung des Wettfahrtteams zum traditionellen Angrillen der DLRG Forsthaus. An dieser Stelle einen ganz herzlichen Dank für die Grille und die große Unterstützung bei der Veranstaltung!

Samstag morgen strahlte die Sonne erneut von einem sehr blauen Himmel. Aber wer sich gedacht hatte, dass damit - wie so oft auf der größten betauten Wiese von Berlin - der Wind eingeschlafen wäre, sah sich getäuscht. Erneut mit 3-4 Bft aus Ost sorgte er für viel Vorfreu-de bei den Seglern. Da die Tonnenleger den Kurs vom Vortag nur zu gut noch im Kopf hat-ten, waren die Kurse schnell gelegt und um genau 11 Uhr gingen diesmal zuerst die 420er auf die Bahn. 10 min später folgten die Piraten. Spannend ging es zu, die Führung auf den durch die Böen manchmal etwas launischen Kreuzkursen wechselte häufig. Manchmal ging rechts nichts, dann wiederum war es links besser. Später sollte Marc H. aus B. (28) sagen: "Egal, wo wir wendeten, wir haben es immer auf den Kopf bekommen..." Tja, so ist der See eben. Dennoch hielt er sich an diesem Tag mit seinem Bruder sehr gut und am Ende der beiden Wettfahrten konnte die beiden einen 5. und einen 3. Platz verbuchen. Vorne lagen Hegi und Olli, die sich zwar einen 7. Platz in Wettfahrt 3 leisteten, aber dennoch 2 Punkte vor Sascha Schröter und Holger Hoff blieben. Bei den 420ern bauten Reimann/Zach ihre Füh-rung mit nun 4 Siegen weiter aus, gefolgt von Preuß/Kunow und Becker/Heitzig. Aber auch Freiheit/Anders (TSC/JSC) waren noch in Schlagdistanz auf einen Podiumsplatz. Der Abend wurde stimmungsvoll. Eine Seglerparty mit einem herrlichen von allen gelobten Büffet (Dan-ke Gerlinde, das Fleisch war eine Wucht), Sonnenuntergang, Fotos vom Tag und Musik lie-ßen den Tag perfekt ausklingen und machten Lust auf mehr.

Und es kam noch mehr! Ostersonntag war erneut Sonntagswetter, Sonne und Wind. Wann, ja wann hatten wir mal solche Ostern. Die Clubmitglieder, die schon bei einstelligen PdM Veranstaltungen dabei waren, sinnierten zwischen zwei gekühlten Eierlikören: War das nun 196x oder 197x... so ganz klar konnte die Frage nicht beantwortet werden, warum auch? Man genoss auf alle Fälle den Tag. Mit viel guter Laune war das Regattateam um kurz nach 10 Uhr zurück auf dem See. Micha hatte sich etwas Besonderes für die letzte Wettfahrt aus-gedacht und schickte die Segler auf einen Up-and-Down Kurs. Das führte zu einigen takti-schen Herausforderungen am Lee-Tor, was die Wertung noch mal gut durchwürfeln sollte. Bei den Piraten, die zuerst starteten, erwischten Mark und Lars-Oliver einen Traumstart, fan-den sich dann aber auf der falschen Kreuzseite wieder und büßten viele Plätze ein. Auch Hegi und Olli kamen mit den Bedingungen nicht so gut zurecht und mussten einen 4. Platz verbuchen. Besser machten es Sascha und Holger, die durchaus souverän gewannen und sich somit die Schokohasen am Stiel wahrlich verdient hatten. Bei den 420ern konnten Be-cker/Heitzig das Feld vom Start weg anführen, gefolgt von Freiheit/Anders. Preuß/Kunow schafften nur den 5. Platz.

In der Endabrechnung gingen damit die Plätze 1 und 2 an den NRV nach Hamburg für die Mannschaften Marcel Reimann / Juri Zach und Kai Becker / Dorian Heitzig. Dritte wurden Tim Freiheit (TSC) und Arved Enders-Seidlitz (JSC) vor Paul Preuß und Jonas Kunow (VSAW / BYC). Bei den Piraten war es Sascha Schröter (SCN) und Holger Hoff (CKA) noch gelungen, Detlef Hegi Hegert und Oliver Bajon (RSG53/SCN) abzufangen. Dritte wurden Krasten "Butze" Bredt und Max Billbeck (HYC/WSVK).

Schöner kann Ostern kaum sein. Mit oftmals leicht verbrannter Nase verfolgte eine hochzu-friedene Seglerschar die Preisverteilung. Jessi fühlte sich hochentspannt, was bei hoch-schwanger nie schlecht ist und hatte nur lobende Worte: "Gut gemacht, Micha, gutes Team und herrliches Segeln! Liebe Segler, kommt wieder im nächsten Jahr, wir garantieren zwar nicht das tolle Wetter, aber doch eine tolle Veranstaltung!"

Kai Jürgens

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