Die ersten zwei Tage waren nicht so wie wir sie uns vorher vorgestellt hatten. Nachdem „die Truppe“ um acht Uhr morgens, nach 20-stündiger Fahrt, am ersten Tag ankamen, wurde vom eher minderwertigen Müsli des Frühstücks-Buffets gekostet und danach durch den strömenden Regen und Nebel zum Hafen gefahren, wo auf schlammigem Untergrund die Boote abgeladen wurden.

Der Wind ließ auf sich warten. Die Verklicker zeigten zwar etwas an, aber leider in verschiedene Richtungen, was auf die totale Flaute zurückzuführen war. Das Revier konnten wir also leider noch nicht kennen lernen, was allerdings auch mit Wind nicht möglich gewesen wäre, da man beim derweil extrem dichten Nebel keine 30 m weit gucken konnte. Auch am zweiten Tag änderte sich die Wetterlage nicht und darum stand Bootsbau im Regen und laufen gehen auf dem Tagesplan.

Tag Drei: „Happy Eastern“ , oder so ähnlich!
Fröhlich war’s allerdings eher nicht. Da kein Wind war durften wir eine Stunde länger schlafen, da die Zeit umgestellt wurde und so die reine Schlafzeit auf das selbe herauskam, brachte uns das allerdings herzlich wenig. Nach dem Frühstück war erst mal allgemeines „chillen“ angesagt, mal wieder Trimms bei strömendem Regen nachmessen und danach ins ortsansässige Schwimmbad gehen, wo es ein paar Salzwasserbecken gibt. Nach dem 40-minütigen, abendlichen Laufen bei absoluter Dunkelheit und dichtem Nebel, besaßen die Trainer noch die Freundlichkeit uns mit Theorie zu beglücken. Die allgemeine Unglücksstimmung erreichte bei der anschließenden WR-Prüfung seinen Höhepunkt! Mit anderen Worten ein völlig ausgenutzter Tag der mit einem dreifachen „gut Wind Ahoi“ zu Ende geht.

Der vierte Tag war ein Freudentag! Als morgens die Sonne rauskam, verzog sich fix der Nebel und es kam ein wenig Wind auf. Das gab uns die Möglichkeit eine Vormittagseinheit zu „Segeln“, die allerdings noch im Nebel stattfand da dieser noch am sich verziehen war. Danach wurde erstmal zwei Stunden auf dem Dach des Sprinters gewartet, auf den Wind der so schnell wie er gekommen war auch schon wieder verschwunden war. Die Trainer versuchten noch eine zweite Einheit durchzuziehen was leider nicht möglich war da es sich bei absoluter Flaute sehr schlecht segelt.

Der fünfte Tag begann mit einer Runde laufen bei der man nun zum ersten Mal seit der Anreise die gesamte Bucht überblicken konnte da der Nebel nun endgültig „lebe wohl“ gesagt hatte. Die Sonne kam raus und ein flaues Lüftchen, das man wenn’s hoch kommt mit einer 1 beschreiben könnte, wehte uns um die Ohren. In der Mittagspause war Sonnen angesagt, das die Sonne nun bei freier Bahn enorm brezelte.  Die „zweite Einheit“  war extrem enttäuschend, weil nur ein paar Kenterübungen möglich waren. Es war dafür aber schöner weise möglich von Trockenanzug auf Shorty umzusteigen, was die Bewegungsfreiheit um eines erhöhte und den Schweißfluss sinken ließ.
Nachdem wir mit dem Sprinter nach Hause gefahren waren, hatten wir einige Zeit einige Kleinigkeiten in der „Stadt“ einzukaufen.
Nach der anschließenden Theorieeinheit  ging es nochmals laufen, was perfekt auf die Nacht vorbereitete, da man nun müde wie ein vor dem Winterschlaf stehendes Murmeltier war.

Der sechste Tag begann mit einer großen Runde Frühsport und anschließendem herumschwimmen auf dem Wasser bei null wind. Nach vier Stunden setzten die ersten Böen ein bevor sich dann endlich Wind durchsetzte, den der gewiefte Fachmann als eine 2 beschreiben würde. Nach acht Stunden auf dem Wasser fielen die Theorie und das anschließende Laufen zum Glück aus und der Tag ging mit einem entspannten Abend und einer ruhigen Nacht zu Ende.

Am siebten Tag kam der Wind der uns in den ersten fünf Tagen gefehlt hatte und er kam nicht langsam, sondern gleich mit voller Kraft und so begab es sich, dass die Trainer nun bei einer guten 4 versuchten soviel wie möglich von dem nachzuholen, was in den ersten Tagen nicht möglich war.
Das kostete ein paar Seglerhände, die aufgrund von tiefen Abnutzungserscheinungen nicht mehr voll einsatzfähig waren, und die Nerven aller beteiligten, da der Tag sehr spät zu Ende ging.

Von Tag acht kann ich aufgrund einer akuten „Essenswiederauswurfattacke“ nicht berichten. Ich weiß nur soviel: Es war noch mehr Wind als am Tag zuvor.

Tag neun sollte das Trainingslager eigentlich nett ausklingen lassen. Anstatt dessen fing er beim Frühstück allerdings mit einer „Rausfahr-Diskussion“ an. Man konnte es nicht wirklich Diskussion nennen, da es eher eine Standortvertretung von Seiten der Trainer und der Seiten der Segler war bei dem es nicht möglich war einen Kompromiss zu finden.

Das Gespräch endete also in einem sturen Meinungsbeibehalten beider Seiten, was bedeutete, dass eigentlich der Wille der Trainer hätte durchgeführt werden müssen. Dies geschah allerdings nicht, was dazu führte das manche Trainer gar nicht mehr mit uns sprachen und ihre ganze Meinung über uns nicht an den Jahren der vorheriger Zusammenarbeit, sondern an diesen 2 Stunden festmachten und uns somit als „Unmenschen“ abstempelten.
Das vierstündige Verladen lief daraufhin eher mild ab was zu schlechter Zusammenarbeit zwischen Trainern und 420-Seglern führte und so das Verladen noch weiter streckte.

Doch trotz dieses Zwischenfalls sollte man sich doch in beiden, nun verhärteten, Fronten fragen, ob es nicht ein gelungenes Trainingslager war, obwohl der letzte Tag, der ein schlechtes Bild repräsentiert, in vielen Köpfen länger haften bleiben wird als die guten Tage davor.

Aus „Berichte eines Seglers“ von Robert Will

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