Mit der Hanse 430 „Coco“ von Greifswald über Sassnitz, Ystad, Simrishamn nach Bornholm und von Hasle, über Glowe und Stralsund wieder zurück nach  Greifswald.  Das waren 270 sm und sieben scharfe Menüs.

Besatzung: außer mir: Andi Matthey, Mario Steinberger und Peter Schupp.

2015 charter hanse 01In diesem Jahr ist alles anders als gewohnt: „unsere“ Hanse, die „Sanibel II“ gibt es nicht mehr. Dafür bekommen wir – mit reichlich Rabatt - eine Hanse 430. Ich habe bisher nur einmal ein so großes Schiff gechartert und erinnere mich, dass nicht mehr jeder Hafen geeignet und nur wenige Boxen ausreichend groß sind. Also planen wir einen Törn in den Øresund, da gibt es jede Menge großer Häfen.

Bei der Länge des Schiffs von 13 m hat nun jeder seine eigene Kabine und braucht sich mit dem Gepäck nicht einschränken. Das gilt für Mario im doppelten Maße, weil er neben seinem persönlichen Kram auch für die Verpflegung zuständig ist. Obwohl wir beschlossen hatten, nicht mehr so viel Lebensmittel zu bunkern, wird dieses durch das reichliche Platzangebot unterminiert. Es ist reichlich viel Gepäck, das mit zwei VW-Passat nach Greifswald geschleppt wird.

Dann kommt die nächste, weniger freudige Überraschung: Die „Coco“ war in der Woche zuvor verchartert und die Besatzung bleibt bis zur letzten Minute auf dem Schiff. Wir können also nicht wie gewohnt gleich nach der Ankunft übernehmen, sondern müssen warten, bis das Schiff gereinigt ist. Das bringt unsere Planung in Gefahr. Doch Ende gut, alles gut, wir schaffen es, bis 13.30 Uhr reisefertig zu sein. Der Törn kann beginnen.

Sa., 06.06.2015:  Greifswald – Sassnitz, 35 sm, 6:00 Std.

Um 14.00 Uhr passieren wir die Klappbrücke von Wieck. Obwohl  das Schiff etliche Male durch diese Brücke gefahren ist, schauen wir mit einer gewissen Spannung nach oben, ob die Salinge auch wirklich nicht hängen bleiben. Kurze Zeit später hievt die Elektrowinsch das Großsegel hoch. Uns bleibt nur noch, die Vorliekspannung zu kontrollieren, damit das Segel nicht reißt. Auch die Rollfock wird elektrisch dicht geholt. Das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig. Als weniger schlimm empfinde ich die zwei synchronen Steuerräder. So kann sich jeder seinen Lieblingsplatz aussuchen, … aber überflüssig ist diese Installation trotzdem.

Nicht alles funktioniert wie gewohnt. Beim Lazy Jack ist der Reißverschluss zerrissen, er lässt sich nur bis zur Hälfte schließen. Das Funkgerät funktioniert nur eingeschränkt. Offensichtlich ist die Antenne nicht in Ordnung, erst etwa 10 sm vor Sassnitz ist DP07 zu empfangen. Der Navtex-Empfänger empfängt gar nichts mehr, hier ist wahrscheinlich die Speicherbatterie leer. Bis auf den Seefunk ist alles andere verzichtbar.

2015 charter hanse 02Doch sei es wie es sei, das Schiff segelt fantastisch und schnell: bei ca. 4 Bft. aus West mit  7 bis 8 kn über Grund. Leider dreht der Wind auf NW und treibt einige Schauer über den Bodden. Bei Südperd müssen wir hoch an den Wind. Da merkt man, dass das Schiff doch recht rank ist und rechtzeitig gerefft werden muss. Auch das geht (nur) elektrisch, ohne jedes Gefühl für die Last, die auf Leinen und Fallen wirkt. Das ist nicht unbedingt mein Fall, daran muss ich mich erst gewöhnen. Leider wird der Wind immer stärker.

Ab Nordperd segeln wir mit dem 2. Reff. Der Sollkurs von 020° ist nicht zu halten. In Höhe Binz kommt noch die Windwelle hinzu. Nun kann jeder seine Seefestigkeit überprüfen. Wegen der fortgeschrittenen Zeit entscheiden wir uns für das ökonomische Segeln: es wird auf die Kreuzschläge verzichtet, die Segel geborgen und mit der Maschine der direkte Kurs nach Sassnitz gewählt. Schließlich wollen wir noch Abendbrot essen und da hat sich Mario etwas einfallen lassen.

Kurz vor 19.00 Uhr laufen wir in den Hafen ein. Kräftiger Seitenwind und Boxen, die viel zu schmal und viel zu lang aussehen. Es muss also alles auf Anhieb passen. Und es passt. Die Pfähle stehen doch weit genug auseinander und die Festmacher sind ausreichend lang. Perfekt gemacht. Während Mario die ersten Cocktails bereitet, klarieren wir auf und während wir die Cocktails genüsslich schlürfen, zaubert Mario das „Baseler Gemetzelte“. In den Jahren zuvor gab es als lukullische Ouvertüre stets Züricher Geschnetzeltes, aber der Chefkoch wolle mal was Neues kreieren. Der Wind bläst auch nachts weiter, soll aber abnehmen und auf Süd-West drehen, das wäre für unsere Törnplanung perfekt.

So., 07.06.2015: Sassnitz - Ystad, 58 sm, 7:50 Std.

Kein Tag für Langschläfer. Um sieben Uhr klingelt der Wecker. Doch bis so alles erledigt ist, vom Duschen über das Frühstück bis zum Ablegen sind dann doch zwei Stunden vergangen. Es ist ausgesprochen schönes Wetter. Nur der Wind kommt nicht aus Süd-West sondern nach wie vor aus nordwestlicher Richtung.

Bis zum Leuchtturm von Stubbenkammer segeln wir noch unter Landschutz. Danach offenbart sich eine ganz andere See. Im Laufe der Zeit hat sich eine beträchtliche Welle aufgebaut, wir schätzen die Höhe auf etwa einen Meter. Dazu ist bei dieser Windrichtung Skanör im Öresund nicht direkt zu erreichen. Es dauert nicht lange, bis wir uns für die Alternative Ystad entscheiden.

Bei einem Kurs von 004° läuft die Hanse 430 permanent 7 bis kn, in Böen sogar bis 10 kn. Der Seegang ist auszuhalten, erfordert aber die ganze Konzentration. Außer ein paar Frachtern ist kaum jemand auf See. Am Nachmittag nimmt der Wind zu und kommt westlicher, gut für die Fahrt. Dann fliegt der Schäkel der Selbstwendefock weg. Ein unbeschreiblicher Lärm erschreckt uns. Doch es gelingt, die Fock einigermaßen sauber einzurollen und einen Ersatzschäkel zu befestigen. Eigentlich ein deutliches Zeichen zu Reffen. Aber gestern war das 2. Reff  im Nachhinein gesehen nicht zwingend notwendig und heute ignorieren wir die deutliche, lautstarke Warnung. Wir müssen das Gefühl für dieses Schiff erst noch finden. Doch es ist nicht mehr weit bis Ystad.

2015 charter hanse 03Im Hafen haben wir freie Platzwahl und da wir hier in der Bucht den Wind kaum noch spüren, ist auch das Anlegemanöver ein Kinderspiel. Die zurückliegenden 58 sm haben doch Kraft gekostet. Wir verzichten auf den Stadtgang und Mankells Spuren, zumal uns der Kaffee beim letzten Besuch noch bitter auf der Zunge liegt. Dafür gibt es Salami und Bier als Apéro und etwas später „Grünen Curry“ mit Reis. Erst nach Stunden haben sich meine verätzten Papillen so weit erholt, dass ich den Rotwein wieder schmecken kann.

Mo., 08.06.2015: Ystad – Simrishamn, 28 sm, 6:00 Std.

Die Planung für den heutigen Tag verspricht endlich Ruhe und Erholung. Der Wind hat sich beruhigt und es ist stark bewölkt bei etwa 20° C. Der schwache SW-Wind bringt uns nur langsam voran, dadurch giert das Schiff in der alten Dünung. Wir wollen nach Simrishamn. Ich habe so viel von der kleinen Fischerstadt in Österlen geschwärmt, dass die Crew dem Vorschlag gerne folgt. Mit 4 bis 5 kn segeln wir dicht unter der fast unbewohnten Küste entlang. Hervorstechend ist das steile Ufer bei Kåseberga mit der gewaltigen Steinsetzung über dem kleinen Hafen. Dann folgt der längste und schönste Sandstrand Schwedens. Gegen Mittag dreht der Wind auf West und nimmt stetig zu. Wir sind froh, bei Sandhammaren auf NE-Kurs gehen zu können. Jetzt wird auch die See ruhiger und die Geschwindigkeit steigt auf 6 bis 7 kn.

2015 charter hanse 04In Simrishamn haben wir wieder freie Platzwahl und legen uns gleich längsseits an den ersten Gästesteg. Ein blaues Schild mit der dimensionslosen Zahl „1,6“ gibt uns einige Rätsel auf. Aber schnell erkennen wir, dass es sich wohl um Promille handeln muss. So kommen wir der Aufforderung gerne nach und probieren, was jeder – verbotenerweise, so war jedenfalls die Absprache vor Törnbeginn – an Bord geschmuggelt hat. Wenig später legt auf der gegenüberliegenden Seite ein Motorboot an, eines jener schwimmenden Villen, so hoch wie lang. Das Manöver misslingt fast, weil die „Besatzung“ sich ungeschickt bis ahnungslos anstellt. Erst mit unserer Hilfe und den Anweisungen des Schiffsführers aus dem 2. Stock gelingt es, das Boot sicher zu vertäuen. Später hilft uns der Schiffsführer die Vorgaben des Steges zu erfüllen. Dabei erfahren wir, dass die Mannschaft die Eigner seien und er beauftragt sei, das nagelneue Schiff mit nach Stockholm zu überführen.

Es bleibt noch Zeit und Kondition für einen ausgedehnten Stadtgang und ich glaube, dass nun auch die Crew meine Begeisterung für Simrishamn teilt, zumal wir im Einkaufszentrum hinter dem Bahnhof auch ausreichend viel Cruncheis für die Cocktails bekommen. Zurück im Hafen zelebriert Mario wieder das abendliche Menü mit dem Schwerpunkt „Gulasch mit Serviettenknödeln“.

Di., 09.06.2015: Simrishamn - Hasle, 26 sm, 4:15 Std.

Die Weckzeit hatten wir gestern schon auf acht Uhr hinausgeschoben.  Nach ausgiebigem Duschen und gemütlichem Frühstück, aber mit „dickem“ Kopf legen wir wie geplant um 10.30 Uhr ab. Vor dem Hafen steht noch reichlich Dünung. Baum und Fallen schlagen und ehe ich die Gefahr erkenne, hat sich das Großfall um das Topplicht (zum Glück nicht im Masttopp) gewickelt. Es ist nicht mehr möglich, das Groß zu setzen. Bei dem Seegang ist ein sicheres Arbeiten an Deck  zu gefährlich, geschweige denn, jemanden mit dem Bootsmannstuhl in den Mast zu hieven. Wir kehren um und kreiseln im Handelshafen. Nach mehreren Versuchen gelingt es Andi schließlich mit Gefühl und Glück, das Großfall frei zu bekommen.

Mit einer halben Stunde Verzögerung machen wir uns erneut auf den Weg. Inzwischen haben sich die Wolken verzogen. Der Wind ist konstant und weht mit angenehmen 3 bis Bft. aus NE. Es wird eine Rauschefahrt mit 7 bis 8 kn Richtung Bornholm. Im Verkehrstrennungsgebiet erwischen wir eine ausreichend große Lücke zwischen den Frachtern, um problemlos in die dänischen Gewässer zu wechseln. Vor der Küste liegt ein Schiff der dänischen Marine. Die Besatzung reagiert aber nicht auf das Dippen unserer Nationalflagge. In Hasle sind wir das einzige Segelschiff.

2015 charter hanse 05Am Spätnachmittag laufen nacheinander vier großen Fischkutter unter deutscher bzw. polnischer Flagge ein, die mit zahlenden Gästen vor der Küste Bornholms zum Angeln waren. Anschließend werden Tapezier-tische aufgebaut und der Fang wie in einer Fischfilet-Fabrik am Fließband verarbeitet. Die Dänen stehen mit knirschenden Zähnen daneben. Die EU hat ihnen die Fangquoten so weit gekürzt, dass sich das Fischen kaum noch lohnt. Zudem steht am Kai ein Container mit Lebensmitteln und Getränken für die Kutter, so dass der einheimische Einzelhandel auch leer ausgeht. Angeln ist eben nicht Fischen. Die fertigen Filets werden portioniert und sofort an Bord eingefroren. Bei uns an Bord gibt es heute kein Fisch sondern Lammbraten mit Rosmarin-Kartoffeln. Doch zuvor schlendern wir durch das wie ausgestorben wirkende Städtchen zur historischen Räucherei und  gönnen uns einen Fischteller mit mariniertem und geräuchertem Hering.

Mi., 10.06.2015: Hasle – Glowe, 57 sm, 10:00 Std.

Welch ein Gegensatz zu gestern: Hochdruck-Wetterlage, 1036 hPa, fallend, wolkenloser Himmel, kalt 14° C und kein Wind. Es ist etwas diesig. Eine Charterwoche verträgt jedoch keine Hafentage. Wenn wir das Schiff pünktlich zurückgeben und kein Risiko eingehen wollen, sollten wir  abends irgendwo in einem Hafen auf Rügen sein. Heute ist wenig zu tun. Der Kurs beträgt 230° und den hält gewissenhaft die Selbststeueranlage. Jeweils für eine Stunde gehen zwei von uns Wache, die anderen beiden dösen in eine Ecke gekuschelt.

Kurz nach elf regt sich ein Lüftchen aus Süd. Wir setzen das Groß, stellen aber bald fest, dass das nicht reich, um heute noch Rügen zu erreichen. Folglich muss die Maschine weiterarbeiten. Um 12.45 Uhr empfangen wir erstmals wieder den Wetterbericht von DP07. Der verspricht westliche Winde um 4 Bft. Mario und ich entscheiden daraufhin, Glowe anzulaufen, um morgen Rügen nördlich zu runden und an der Seeküste Hiddensees nach Stralsund zu segeln. Am Kurs müssen wir nicht viel ändern, Um 15.45 Uhr bergen wir in Höhe Lohme das Groß. Eine halbe Stunde später runden wir die Untiefentonne vor Glowe. Auch der Hafen ist leer, aber unsere Möglichkeiten sind aufgrund der Größe begrenzt. So bleibt uns nur ein Platz am ersten Steg. Den Schwell bekommen wir kostenlos dazu.

Es ist noch Zeit, ein gepflegtes Bier im kleinen Restaurant am Hafen zu trinken und dabei mit Gänsehaut die vereinzelten Badenden zu beobachten. Das Wasser ist erstaunlich klar (und kalt), so dass man die an der Außenseite der Hafenmole ausgelegten Reusen sehen kann. Mario offeriert für heute Spaghetti mit Scampi, wieder ein „never to stopp-Gericht.

Do., 11.06.2015: Glowe - Stralsund, 40 sm, 7:00 Std.

Der Wetterbericht stimmt ausnahmsweise. Ein schöner und anspruchsvoller Segeltag liegt vor uns. Doch vor der Kür kommt erst die Pflicht. Wir müssen bei Seitenwind um 4 Bft. aus der Box. An deren Ende stehen rostige Pfähle, also Berührung unbedingt vermeiden, die Spurenbeseitigung kostet sicher unseren gesamten Zahnpasta-Vorrat. Zum Glück sind zwischen Pfahl und Steg Sorgleinen gespannt. Auf der Leeseite schützen Andi und Pitt mit Fendern den Rumpf, während ich auf der Luvseite mit einer Tauschlinge, um die Sorgleine gelegt, dafür sorge, dass die „Coco“ in der Spur bleibt. Das Manöver gelingt perfekt. Doch noch können wir nicht aufatmen. Es ist wenig Platz zwischen Steg und Mole, also muss das Wenden zügig, aber mit Fingerspitzengefühl ausgeführt werden. Doch dafür haben wir den richtigen Mann am Ruder.

Gleich hinter der Hafenmole setzen wir die Segel. Die sieben Seemeilen bis Kap Arkona sind in einer Stunde geschafft. Danach müssen wir aufkreuzen. Da die Hanse-Yachten prinzipiell mit einer Selbstwendefock ausgerüstet sind, werden das schnelle und entspannte Wenden. Nun lerne ich den Sinn von zwei Steuerrädern kennen, es gibt jetzt einen Backbord- und einen Steuerbord-Steuermann, je nachdem, auf welchem Bug wir gerade segeln. Na, ja. Bei Möwenort können wir auf 236° abfallen und schaffen Dornbusch mit nur einem kleinen Verholer. Danach gibt es zur Belohnung einen ganz kleinen Sherry … und einen traumhaften Schlag halbwinds dicht unter der Küste Hiddensees entlang in den Gellenstrom. Für die letzten 10 sm brauchen wir noch einmal die volle Konzentration. Vor Wind durch die Baggerrinne bei Barhöft sollt man tunlichst schön im Fahrwasser bleiben. (Es gibt zu viele schadenfrohe Segler).

2015 charter hanse 06Um 16.00 Uhr liegen wir in Stralsund und haben uns den inzwischen traditionellen Stadtgang verdient. Dieser führt an den Fischbrötchen vorbei direkt in die Hafenkneipe zum Störtebeker-Bier.

Wir reden alle noch euphorisch über diesen schönen Segeltag. In der Kneipe ist das so gemütlich, dass ich befürchte, ohne Essen in Koje zu müssen. Doch langsam meldet sich auch bei den anderen der Hunger. Andi und Pitt wünschen sich als „Henkersmahlzeit“ wieder Grünen Curry. Und in dieses Essen kocht Mario seine ganze Euphorie und Lust mit hinein. Das war so scharf, dass unsere Biervorräte zum Löschen nicht ausreichten. Um 21.00 Uhr zogen dann die „jungen Leute“ in die Stadt, natürlich wieder in die Hafenkneipe.

Kurz nach zwei Uhr werde ich wach. Irgendetwas ist anders. Als erstes entdecke ich die offene Luke am Niedergang, dann schaue ich vorsichtig in Andis Kabine, leer; auch die anderen Kojen sind verwaist. Ich mache mir Sorgen, ist etwa was passiert? Das Essen? Oder eine Schlägerei und die drei sind jetzt im Krankenhaus oder bei der Polizei? Was mach‘ ich jetzt? Als erstes muss ich unbedingt etwas trinken, etwas absolut alkoholfreies. Dann überlege ich, ob ich mich anziehe und die Jungen suchen gehe oder abwarte? Dann höre ich leise und lustige Stimmen auf dem Steg. Mir fällt ein Stein vom Herzen und ich schaue erleichtert aus dem Niedergang und schaue in erstaunte Gesichter, so als hätte ich sie beim Naschen erwischt. Na, dann gab es noch einiges zu erzählen. Wenn die Kneipe eigens für die drei bis zwei Uhr geöffnet hat, ist es sicher nicht bei einem Bier geblieben.

Fr., 12.06.2015: Stralsund - Greifswald, 26 sm, 4:15 Std.

Unerbittlich wecke ich die Nachtschwärmer um sieben Uhr. Wenn wir das Schiff rechtzeitig abgeben wollen, müssen wir um 08.20 Uhr die Ziegelgrabenbrücke passieren. Das ist unser letzter Segeltag und es sieht nicht so aus, als ob wir wirklich segeln könnten. Nachdem die Klappbrücke passiert ist, ankern wir in der Deviner Bucht und frühstücken ausgiebig.

Kurz nach zehn Uhr geht der Anker hoch. Wind gibt es immer noch nicht. Es wird wirklich nichts mit dem finalen Segeln. So machen wir das Beste daraus. Mario packt sein Restaurant zusammen, ich meine Navigation. Nach und nach verschwindet einer in seine Kabine, um den persönlichen Kram zusammenzupacken. Am Ausgang des Strelasundes beginnt es zu regnen, der einzige Regen in der ganzen Woche und zu wenig, um das Ölzeug wieder auszupacken.

Um 14.00 Uhr  passieren wir die Klappbrücke in Wieck, um 14.30 Uhr legen wir in der Hanse-Werft an, tanken und übergeben das Schiff ohne Schäden oder Verluste (außer dem einen Fock-Schäkel, den wir aus dem Bestand ersetzt haben). 270 sm liegen hinter uns, sieben ausgesprochen schöne Tage auf See, an-spruchsvolle und begeisternde Segeltage. Es bleibt die Erinnerung an einen bemerkenswert guten Törn, eine gute Seemannschaft und eine tolle, kameradschaftliche Atmosphäre.

Peter Reckmann

 

Joomla templates by a4joomla