Wir haben uns entschlossen, wegen des anhaltend starken Nordost-Windes nicht weiter nach Norden zu fahren, sondern die restlichen Tage in den Südschären zu verbringen.

Montag, 14.07.2014: Timmernabben – Stora Rör, 15 sm, 3:30 Std.

Wir haben gestern beim Regen lange darüber gesprochen, wie sinnvoll es sei, weiter nach Norden zu gehen. Schließlich entscheiden wir umzukehren, wieder nach Süden zu segeln. Sicher hat der lang anhaltende Nordost eine Rolle gespielt, von dem wir noch ein wenig profitieren wollen.
peer gynt 2014 04Der sonnige Morgen lädt förmlich dazu ein, die Segel zu setzen. Wir sind die einzigen, die „Reisvorbereitungen" treffen. Der Wetterbericht für heute prognostiziert südwestliche Winde 5 bis 6 Bft, abnehmend und auf Südost drehend. Auf meine Frage, ob es noch andere Prognosen gäbe, antworten die Leute von der Schlei, da wäre wohl nichts Arges unterwegs. Auch das Barometer klettert wieder empor. Derzeit weht ein Südostwind von 2 bis 3 Bft., das könnte ja schon der Wetterwechsel sein. Obwohl es anfängt zu regnen, legen wir, Ölzeug umhüllt, ab, setzen das Groß und bewegen uns mit der Unterstützung des Motors Richtung Kalmar-Sund. Schon nach einer halben Stunde sehen wir, was auf uns zukommt. So schnell wie möglich versuchen wir, den Sund zu queren und auf der Öland-Seite in den Windschutz zu kommen. Das ist die einzig richtige Entscheidung. Zwar trifft uns kurz darauf die erste Schauerbö, doch können wir das Segel noch ohne Probleme bergen. Dann kommt die zweite mit 35 Knoten. Ich steure einen nördlichen Kurs am Rande des nun deutlich sichtbaren Regengebiets vorbei. So dicht wie möglich an Ölands Küste motoren wir in Richtung Kalmar. Über dem Festland folgt ein Schauer dem anderen. Das wäre auch in Timmernabben nicht lustig geworden. Vom Wetter nahezu unbehelligt erreichen wir Stora Rör. Der Hafen ist leer, Konkurrenten um einen Liegeplatz haben wir nicht, so können wir uns in aller Ruhe den geeignetsten aussuchen. Aber auch auf Öland bleibt es auf die Dauer nicht trocken. Trotzdem sind wir froh, wir haben eine Herausforderung gemeistert und wir sind endlich ein kleines Stück vorangekommen, wenn auch zurück.

Dienstag, 15.07.2014: Stora Rör - Kalmar, 8 sm, 1:35 Std.

peer gynt 2014 06peer gynt 2014 05Ein sonniger Morgen, ein viel versprechender Tag. Er beginnt schon mit frischem Brot aus einer ungewöhnlichen Bäckerei am Hafen. Betrieben von vier jungen Frauen wird hier Brot und Kuchen nach alten Rezepten in echter Handarbeit gebacken. Die vollen Regale und das ständige Kommen und Gehen zeigen, dass dieses Konzept Erfolg hat. Wir können bestätigen, lange nicht mehr so schmackhaftes und würziges Brot gegessen zu haben.
peer gynt 2014 07peer gynt 2014 08Zu Segeln ist unrealistisch. Wir wollen uns in Kalmar versorgen und ich will mich bei „telenor" bescheren. Dieses Mal nehme ich aber mein Tablet gleich mit. Meine Beschwerde, dass das mit dem Internetzugang nicht funktioniert, kann ich leider nicht untermauern. Während der langen Liegezeit hat sich der Akku des Geräts entladen. Doch immerhin erfahre ich, dass mir der Angestellte die falschen Daten gezeigt hat, nämlich Datum und Telefonnummer. Der Code und die Sicherungsnummer standen auf der Rückseite.

... und Kalmar – Mörbylånga, 8 sm, 2:35 Std.

Um 12.30 verlassen wir Kalmar wieder. Dieses Mal setzen wir Segel. Schon in der Hafeneinfahrt empfängt uns eine unangenehm steile und kurze Welle, Wind gegen Strom! Mit, wegen des engen Fahrwassers, kurzen Kreuzschlägen gewinnen wir langsam Raum und nähern uns dem Ziel Mörbylånga. Später ist es möglich, Schenkel von ca. 2 sm zu segeln. Aber der Wendewinkel liegt bei diesen Bedingungen um die 120°. Aus Erfahrung weiß ich, dass es mit der Maschine weder angenehmer noch schneller ist. Vernünftigerweise sollte man umkehren; doch wir reffen und entscheiden uns, auch noch die verbleibenden 4 sm durchzustehen. Zu allem Überfluss erwischt uns doch noch ein kräftiger Regenschauer.
Mörbylånga ist voller als gedacht, aber wer geht auch schon bei diesem Wetter Segeln?

Mittwoch, 16.07.2014: Mörbylånga, Hafentag

Heute nicht! Obwohl die Sonne scheint und die Temperatur schon morgens auf über 20° C steigt wollen wir im Hafen bleiben, Waschtag! Bei der Sonne kann das ganze Schiff trockengelegt werden. Über den Sund streicht ein frischer Südwest. Morgen soll er auf Nordwest drehen, dann wollen wir möglichst aus dem Kalmar-Sund raus, Torhamn oder sogar Karlskrona wären erstrebenswerte Ziele.
Nach der Wäsche bleibt noch Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang. Im Hotel am Marktplatz ist Lifemusik und Tanz im Vorgarten. Wir hören ein wenig zu.

Donnerstag, 17.07.2014: Mörbylånga – Kristianopel. 20 sm, 5:00 Std.

Um sechs schaue ich nach dem Wetter: es ist perfekt! Der Wind kommt nördlicher als West und bläst mit 2 bis 3 Bft., ideale Verhältnisse. Wir werden aktiv, duschen in dem schönen, neuen Sanitärgebäude, frühstücken und klaren auf. Noch im Hafen setzen wir die Segel. Anfangs läuft es prima. Ein bisschen alte Dünung, über die uns aber der Wind hinweg schiebt. Leider wird der Wind immer schwächer. Mittags springt er um auf Süd und nimmt rasch an Stärke zu, erst 10 kn, dann 15 kn. Bis nach Hommenabben, praktisch dem Ende des Kalmar-Sundes, sind es noch 11 sm, also zwei bis drei Stunden. Ich kenne das Gewässer inzwischen gut genug, um das Kommende einzu-schätzen. Wenn der Wind weiterzunimmt – und das sieht so aus –werden wir Torhamn nicht errei-chen, weder unter Segel noch mit der Maschine. Ich setze den Kurs auf Kristianopel ab. Eine halbe Stunde später haben wir die Hafeneinfahrt erreicht. Hier weist uns der Hafenmeister einen Liegeplatz an. Wir sind nicht die einzigen, die er nun „einsortiert". Sicher im Schlick des Liegeplatzes steckend, schaue ich befriedigt über die Hafenmole. Die Wellen tragen Schaumkronen, unser Windmesser zeigt permanent 20 bis 25 Knoten an, das sind 5 bis 6 Bft
Gegen Abend flaut der Wind wieder ab. Aber, da ich nun einen Internetzugang habe und auch Wetterberichte empfangen kann, schaue ich mir mehrere Wetterprognosen an. Windfinder und wet-ter.de sagen für Morgenmittag schon wieder kräftigen Wind voraus. Bis dahin wollen wir Torhamn hinter uns haben.

Freitag, 18.07.2014: Kristianopel – Säljö, 25 sm, 5:30 Std.

Heute haben wir es eilig. Die Sonne scheint, der Wind weht schwach aus Südost. Das reicht zwar nicht zum Segeln, aber das ist mir egal, ich will raus aus dem Kalmar-Sund. Da hat Rasmus endlich ein Einsehen. Plötzlich stimmen Windstärke und Richtung und bescheren uns einen unglaublich schönen Segeltag. Ab Hommeskär gleiten wir in fast spiegelglattem Wasser dahin. Der Wind ist so günstig, dass wir auch in der schmalen Baggerrinne bei Möcklö segeln können und hoch am Wind sogar bis Säljö. Im schmalen Fjord weht kein Lüftchen. Wir finden wieder einen perfekten Ankerplatz mit Landanschluss und genießen den Nachmittag und vor allen den milden, über 25° C warmen Sommerabend.

Sonnabend, 19.07.2014: Karlskrona- Säljö – Karlskrona Dragsö, 6 sm, 1:30 Std.

peer gynt 2014 09Eigentlich wären wir gerne noch geblieben, aber Karlskrona ist die letzte Gelegenheit sich für die nächste Zeit zu versorgen. Wir wollen hier in den Südschären noch einige Tage verbringen. Also „lichten" wir den Anker. Doch das Manöver muss auf Anhieb klappen, denn unmittelbar neben unserer Ankerboje liegt ein schwedisches Segelboot. Renate löst die Leinen am Felsen und ich ziehe mich am Anker achteraus. Nachdem die Hälfte der Ankerleine geborgen ist, gebe ich vorsichtig etwas mit der Maschine voraus. Dadurch gelangt unser Schiff in die Mitte des Fords und damit in tieferes Wasser. Nun ist es nicht mehr schwer, den Anker vollständig einzuholen. Für die kurze Strecke bemühen wir Rasmus gar nicht erst, sondern lassen die Maschine weiter arbeiten..
Im Hafen des KSS werden wir freundlich empfangen. Man erklärt uns das Serviceangebot und die Einrichtungen. Selbst Räder sind zur kostenlosen Ausleihe vorhanden. Das macht den Einkauf in der Stadt natürlich viel einfacher. Die Sonne scheint und erwärmt die Luft auf 28° C, nicht unbedingt eine Temperatur, um in der Stadt entspannt zu shoppen. Wir beschränken uns auf das Nötigste, um möglichst bald zurück zu sein.
Doch aus der ersehnten Ruhe wird nichts. Wie aus heiterem Himmel – und das kann man wirklich wörtlich nehmen – landet ein Hubschrauber an dem dem Hafen gegenüber liegenden Campingplatz mit Badeanstalt. Wir vermuten erst einen Unfall. Aber der Hubschrauber hebt bald wieder ab, um nach etwa fünf Minuten wiederzukehren. So geht das wohl ein Dutzend Mal, bis alle Kinder des dortigen Ferienlagers ihren Rundflug hinter sich haben.

Sonntag, 20.07.2014: Dragsö – Tjärö, 22 sm, 6:00 Std.

Wieder ein toller Segeltag! Wir haben das Ablegen so geplant, dass wir zur vollen Stunde an der Brücke sind. Doch der Wind meint es heute gut mit uns. Wir sind schon 20 Minuten vorher dort.
In den Außenschären hat der Wind das Wasser inzwischen in Bewegung gebracht und den Wellen weiße Perücken verpasst. Bei dem achterlichen Wind will das Groß nicht richtig stehen und die Fock pendelt von Backbord nach Steuerbord. Für die kurze Streck lohnt es sich aber nicht, einen Bullenstander zu setzen und die Fock auszubaumen – oder besser gesagt lohnen würde sich das schon, aber ich scheue den Aufwand. So bin ich froh, als wir das Leuchtfeuer von peer gynt 2014 11Gåsfeten erreichen und abfallen können. Nun beginnt der gemütliche Teil des Segelns. Im jetzt ruhigen Schären-fahrwasser gleiten wir mit etwa 5 kn Fahrt durch eine wunderschöne Landschaft. Geschützte Buchten, schmale Insel-Durchfahrten und tief ins Festland führende Fjorde wechseln sich ab. Trotz der schönen Aussicht muss man höllisch aufpassen, dass man nicht eine der vielen Tonnen übersieht oder auslässt. Abkürzungen werden schwer bestraft, das weiß ich aus Erfahrung. Überall verstecken sich kleine Felskuppen unter der Wasseroberfläche. Man sieht sie nur, weil sich dort das Wasser bricht.
Am frühen Nachmittag erreichen wir die Insel Tjärö und werfen dort an der Nordseite Anker. Der Untergrund ist schlickig und stark bewachsen. Kein besonders guter Grund für unseren Plattenan-ker. Deshalb hält er eigentlich nur mehr schlecht als recht durch sein eigenes Gewicht.
Gegen Abend wird ein Platz frei am hohen Felsen. Nun können wir uns an Ringen, die hier in Schweden überall an den Schären angebracht sind, festmachen. Mit zwei Vorleinen ablandig hinter einem hohen Felsen fühle ich mich sicher, zumal wir tief im Schlick stecken. Da ist der Heckanker nur Zierde.
Später kommt noch eine Yacht aus Wismar und versucht anzulegen. Aber bevor wir helfen können, dreht sie wieder ab und verlässt den Ort.

Montag, 21.07.2014: Tjärö, vor Anker.

Wir lassen uns noch nicht aus dem Paradies vertreiben. Vormittags erkunden wir die Insel, auf der die Menschen eingezäunt sind und die Tiere, Schafe, Kühe und auch Pferde frei herumlaufen.
Am Spätnachmittag hören wir plötzlich deutsche Laute über uns. Verwundert erblicken wir Annette und Achim und können uns nicht vorstellen, wo sie herkommen. Die Erklärung ist schon etwas merkwürdig: Die beiden sind nachmittags von Norden kommend in den Hafen von Tjärö, oder besser gesagt in die Bucht auf der südöstlichen Seite, in der sich zwei Anlegestege befinden, eingelaufen. Neben ihnen liegt eine Yacht aus Wismar und deren Skipper erzählt ihnen, dass auf der anderen Seite der Insel noch einer aus dem TSC läge. So machen sie sich auf den Weg. Das wird ein lustiger Abend. Einziger Leidtragender ist der Rotwein. Doch man kann das auch positiv sehen, wenn man zugrunde legt, dass Rotwein nur existiert, um getrunken zu werden.

Peter Reckmann

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