Nachdem bereits Ende April der letzte deutsche KW-Sender, Deutschland-Radio auf 6190 kHz, seinen Betrieb eingestellt hat, fordert nun die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) die Landesrundfunkanstalten der ARD auf, die Ausstrahlung ihrer Programme über die Mittelwellen- und Langwellensender spätestens zum 31. Dezember 2014 einzustellen...

Hintergrund ist die seit August 2011 laufende Einführung von Digitalradio (DAB+), mit dem Ziel, bis zum Jahr 2014 eine deutschlandweite Versorgung mit digitalen Hörfunkprogrammen zu erreichen. Sollte diese Forderung umgesetzt werden, bestünde zukünftig nicht mehr die Möglichkeit, überall auf Nord- und Ostsee Seewetterberichte bzw. Sturmwarnungen über einen Rundfunkübertragungsweg zu empfangen. Der Mittelmeerraum ist mit dem Wegfall der KW-Ausstrahlung ohnehin nicht mehr mit einem deutschen Rundfunksender versorgt.

Ein Ersatz für die Mittelwellen- und Langwellenübertragung stellt DAB+ nicht dar, da sich die Reichweite der darüber verbreiteten digitalen Radioprogramme lediglich auf den Küstenbereich beschränkt.

Zur Zeit versorgt der Norddeutsche Rundfunk mit dem Programm NDR Info Spezial 972 vom Sender Hamburg auf Frequenz 972 kHz die Deutsche Bucht und Teile der Ostsee; Deutschlandradio versorgt über den Langwellensender Oranienburg, 177 kHz, große Teile der Ostsee bis hinauf in den Kattegat und Skagerrak.

Die Seewetterberichte werden durch den Deutschen Wetterdienst (DWD) den Sendern zugeliefert. Dies erfolgt im Rahmen der meteorologischen Sicherung der Seeschifffahrt, die zu den Kernaufgaben des DWD gehört.

Bei der Verbreitung der Seewetterberichte und Warnungen ist der DWD auf die Unterstützung der öffentlich-rechtlichen Hörfunksender angewiesen. Die über die Mittel- und den Langwellensender ausgestrahlten Wetterinformationen sind speziell auf die küstenferne Kleinschifffahrt und die Sport- und Freizeitschifffahrt zugeschnitten.

Da die Einführung von Digitalradio (DAB+) keinerlei Ersatz für die geplante Einstellung der MW/LW darstellt, haben sich die Kreuzer-Abteilung des DSV und der DWD dafür ein-gesetzt, dass, schon aus Gründen der Daseinsvorsorge, entgegen der Forderung der KEF, eine möglichst lange Übergangsfrist vorgesehen wird. Nur damit wird gewährleistet, dass für die meteorologische Sicherung der Kleinschifffahrt und der Sport- und Freizeit-schifffahrt ein weicher Übergang zu alternativen Empfangstechnologien sichergestellt ist.

Quelle: (KA 5.10.2012)

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